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Einige Jahre ist es her, als ein neuer Boom die Sport- und Fitnesswelt erfasste, der so noch selten da gewesen war. Innerhalb weniger Monate begeisterte eine zwar nicht neue aber in dieser Form noch nicht bekannte Art und Weise sportlicher Bewegung ein Land nach dem anderen. Nahezu an jeder Sportecke, in jedem Park oder Wald und sogar auf Fußwegen und Gehsteigen tummelten sich plötzlich Menschen in sportlichen Gewändern, die Stöcke hinter sich herschleppend, in mittlerem Tempo dahin spazierten. Nordic Walking nannte man die Innovation, die den Sportlaien mit Argumenten zu überzeugen versuchte, die allerdings selbst bei gutmütiger Betrachtung, nicht haltbar waren.
Ohne Anstrengung, in weniger als einer Stunde und ohne die Gesundheit zu gefährden, sollte das nordische Gehen effektiver sein, als so manch andere Sportart. Schonender für die Gelenke aber genauso gesund für das Herz-Kreislauf-System, das garantierten Werbung und Sachtexte, die sich mit dem Thema auseinandersetzten. Grund genug für Tausende und Abertausende, sich in Sportschuhe und Trainingsklamotten zu schmeißen, teure Stöcke zu erwerben und die nächstbeste Strecke auf und ab zu wandern. Dabei vergaßen viele von ihnen völlig auf die eigentlichen Protagonisten in diesem Sportgeschehen und schleiften ihre Stöcke hinter sich her, mehr auf das Plaudern als auf den Sport konzentriert. Dass kaum jemand aufgrund derartiger Bewegung seinen Fitnesslevel verbesserte oder gar etwas für die Gesundheit leistete, fiel kaum jemandem auf, vom erwarteten Gewichtsverlust war sowieso keine Rede.
So präsent war die Werbung für Stöcke und Outfit, so laut walkte jeder dem neuen Trend hinterher, dass niemandem sich zu sagen traute, wie skurril sich die ganze Sache eigentlich entwickelte. Scharen von Hausfrauen, Übergewichtigen, Pensionisten und Rekonvaleszenten wanderten mit ihren Stöcken im Schlepptau und waren überzeugt, Sport zu treiben. Zwar gab es Seminare, Beschreibungen und eigens ausgebildete TrainerInnen, welche die richtige Technik lehrten, im Grunde aber interessierte das niemanden. Die SportartikelHändler rieben sich die Hände, die Nordic Walker waren zufrieden. Endlich ein Sport, der nicht anstrengt und den jeder betreiben kann.
Erst relativ spät erhoben sich die ersten kritischen Stimmen und wiesen darauf hin, dass sich die versprochenen Effekte beim Walken nicht oder kaum einstellten. Dass die klaren Köpfe erst so spät auf den Plan traten überrascht einigermaßen, die Gründe für den fehlenden Erfolg liegen nämlich auf der Hand. Zwar ist der Gedanke, der hinter dem Nordic Walken steht, kein schlechter, der Großteil der Walker aber hat diesen offenbar missverstanden. Selbstverständlich kann durch richtigen Einsatz solcher Stöcke viel Positives bewirkt werden. Zweifelsohne steigert die Beteiligung von mehr Muskeln an der Bewegung auch den Energieverbrauch und gewiss macht es auch mehr Freude mit Stöcken und toller Ausrüstung zu gehen als ohne.
Wenn man jedoch diese Stöcke lediglich dazu verwendet, um sie hinter sich herzuziehen, dann hat man damit nur zwei Dinge erreicht. Zum einen, eine Umsatzsteigerung der SportartikelHändler und zum zweiten, das eingebildete Gefühl sportlicher Leistung. Nordic Walking Stöcke samt dazugehöriger Technik sind nämlich zu etwas anderem da als zum Nachschleifen. Sie wollen eingesetzt werden, dynamisch und sinnentsprechend, und zur Unterstützung des Gehrhythmus.
Wenn du daher mehr möchtest als nur ein wenig durch die Gegend zu spazieren und ein wenig frische Luft zu schnappen, dann schnapp dir deine Stöcke und setze diese auch ein. Konzentriere dich auf den Stockeinsatz und die entsprechende Technik ansonsten wirst du weiterhin zu den unzähligen Getäuschten gehören, die anstatt fitter zu werden, lediglich einer falsch verstandenen Marketingstrategie auf den Leim gegangen sind.
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